Prof. Dr. Ulrike Bingel (Projektleiterin A11) erforscht das Zusammenspiel von Schmerzverarbeitung im zentralen Nervensystem und kognitiven Prozessen. Eine zentrale Herausforderung ihrer Forschung ist die Frage, warum sich akute Schmerzen bei manchen Menschen chronifizieren, während andere wieder genesen – und wie personalisierte Behandlungsstrategien diesen unterschiedlichen Verläufen gerecht werden können.
Besonderes Augenmerk legt Bingel dabei auf Placebo- und Nocebo-Effekte, die auf messbaren neurobiologischen und physiologischen Mechanismen beruhen und nicht nur bei Placebo-Behandlungen eine Rolle spielen. Erwartungen können die Wirksamkeit und Verträglichkeit medizinischer Interventionen verbessern, aber auch Symptome und Nebenwirkungen verstärken – für Bingel sind Placebo-Effekte daher nicht nur eine Herausforderung für klinische Studien, sondern vielmehr eine therapeutische Ressource.
Als Sprecherin des DFG-geförderten SFB/TRR 289 „Treatment Expectation“ verbindet Bingel Grundlagenforschung mit der Entwicklung personalisierter Behandlungsansätze. Das Erwin L. Hahn Institute bietet dabei besondere Möglichkeiten, die neuronalen Mechanismen von Schmerz und Erwartung mit hochauflösender Bildgebung zu untersuchen.
