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Schatzkisten-Förderung für Julian Packheiser (A01)

Julians Aufgeregung war ansteckend. Ob die Begutachter/innen im SFB 1280 seinen Schatzkisten-Antrag entschieden hatten prüfte er fast stündlich. Seine Idee darin beschäftigt ihn schließlich schon lange und er möchte mit diesem Antrag unbedingt seinen ersten ganz eigenen Beitrag zur Extinktionsforschung weiter entwickeln.

Wir gratulieren nun zur Bewilligung! Was er mit der Förderung vorhat erklärt Julian Packheiser folgendermaßen:

Studientitel: „The influence of memory consolidation on extinction learning and renewal“

Extinktionslernen ist eine grundlegende Fähigkeit, sich an die sich ständig verändernde Umwelt anzupassen. Es beschreibt die Fähigkeit, bereits gelernte Assoziationen, die veraltet sind, zu modifizieren (Pavlov, 1927). Eine wichtige Erkenntnis über das Extintkionslernen ist, dass es kein einfaches Nicht-Lernens. Mehrere Beobachtungen zeigen, dass das zuerst erworbene Wissen bei der Extinktion nur gehemmt und nicht vergessen wird (Bouton, 2004). Eines der Phänomene dafür ist der Erneuerungseffekt: Die Erneuerung beschreibt die Kontextspezifität des Extinktionslernens. Wenn der Prozess der Löschung in einem anderen Kontext als dem des ursprünglichen Erwerbd stattfindet, kann das ursprünglich erlernte Verhalten wieder auftauchen, wenn ein Organismus wieder in den Erwerbungskontext gesetzt wird (Bouton et al., 2012).

Extinktionslernuntersuchungen sind klassisch in einzelne Phasen unterteilt, die an mehreren aufeinander folgenden Tagen stattfinden (Hamacher-Dang et al., 2013). Der Grund für diese Trennung von Erwerb, Auslöschung und einem anschließenden Test der Gedächtnisspur unter verschiedenen Bedingungen fußt auf der Idee, dass das erworbene Wissen vor seinem Abruf erst konsolidiert werden muss. Die Gedächtniskonsolidierung wiederum ist klassischerweise mit der Notwendigkeit der Proteinsynthese verbunden, die wenigstens mehrere Stunden dauert (McKenzie & Eichenbaum, 2011, Nader & Einarsson, 2010). Der Begriff der Erinnerungskonsolidierung könnte also zu spezifisch sein, da er keine Erinnerungskonsolidierung auf Basis synaptischer Änderungen berücksichtigt. Das primäre Ziel meiner Studie ist es, die Auswirkungen der Erneuerung mit und ohne Zeitabstand dazwischen zu vergleichen, um die Bedeutung der auf Proteinsynthese basierenden Gedächtniskonsolidierung für das Auftreten und die Stärke des Erneuerungseffekts zu entwirren. Dieses Projekt hat große Auswirkungen im Rahmen des aktuellen SFB 1280, da mehrere Projekte kein Zeitfensters vor ihrer Testung des Erneuerungseffekts haben können. Wenn diese Studie also den Nachweis erbringen könnte, dass eine Pause tatsächlich keine Voraussetzung für den Erneuerungseffekt ist, würde das die Ergebnisse dieser Projekte stützen. Das sekundäre Ziel dieser Studie ist es, die oben genannten möglichen Effekte der Gedächtniskonsolidierung zwischen Tauben und Menschen zu vergleichen. Angesichts des vergleichenden Charakters vieler Projekte im SFB 1280 mit Tiermodellen könnte diese Studie diese Ansätze auch unterstützen, wenn sich die Auswirkungen der verstrichenen Zeit auf die Erneuerung bei beiden Arten als ähnlich erweisen.

Bouton, M.E. (2004). Context and behavioral processes in extinction. Learning & Memory (Cold Spring Harbor, N.Y.) 11, 485–494.

Bouton, M. E., Winterbauer, N. E., & Todd, T. P. (2012). Relapse processes after the extinction of instrumental learning: renewal, resurgence, and reacquisition. Behavioural processes, 90(1), 130-141.

Hamacher-Dang, T., Engler, H., Schedlowski, M., & Wolf, O. T. (2013). Stress enhances the consolidation of extinction memory in a predictive learning task. Frontiers in behavioral  neuroscience, 7, 108.

McKenzie, S., & Eichenbaum, H. (2011). Consolidation and reconsolidation: two lives of memories?. Neuron, 71(2), 224-233.

Nader, K., & Einarsson, E. Ö. (2010). Memory reconsolidation: an update. Annals of the New York Academy of Sciences, 1191(1), 27-41.

Pavlov, I. P. (1927). Conditioned reflexes (G.V. Anrep, Ed. & Trans.). London: Oxford University Press.

 

Der SFB 1280 hat ein Budget zur Realisierung eigener Forschungsideen seiner Nachwuchswissenschaftler eingerichtet. Mit der „Schatzkiste“ finanzieren wir überzeugende und eigenständige Studienkonzepte von Jungwissenschaftlern.