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Forschungsethik

An die Verantwortung des Verbunds für die Forschung knüpfen sich eine Reihe von Aufgaben. Zum einen ist es eine Verpflichtung zur Förderung des Nachwuchses, dessen Förderung im SFB 1280 große Aufmerksamkeit gewidmet wird. Daneben gibt es Themen, die nicht für sich selbst sprechen können: Der  richtige Umgang mit Forschungsdaten. Der Nutzen von Grundlagenforschung. Das Thema Tierversuche.

Die Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis der DFG beschreiben einen nationalen Standard, der das Selbstverständnis sich kritisch reflektierender Forschung regelt. Lege artis zu arbeiten heißt methodisch vorgehend auf technisch höchstem Stand, sowie alle Ergebnisse nachhaltig dokumentierend und selbstkritisch diskutierend und ist in der Forschung angewandtes Recht und Pflicht wissenschaftlicher Autonomie. Der SFB 1280 verankert diese Regeln über alle Ebenen des Forschungsverbunds hinweg.

Datenmanagement

Die Daten aus 19 Teilprojekten an vier Standorten effizient und sicher auszutauschen ist eine Herausforderung. Die Integration und Metaanalyse der teils grundverschiedenen Datensätze, von der Beobachtung des Maus-Verhaltens bis zu einem Human-EEG, eine andere.

Der SFB 1280 hat eine siebenköpfige Arbeitsgruppe, die die Entwicklungen auf diesem Gebiet in regelmäßigen Treffen zusammen mit dem IT Service der Ruhr-Universität moderiert. Eine besondere Aufgabe haben hierbei die beiden Fokusgruppen inne, die auf die Abschöpfung, Verdichtung und komplexen Auswertung der Teilprojektstudien basiert. Sie nehmen eine Lotsenstellung ein. Der SFB 1280 beabsichtigt in einem späteren Schritt die Primär- und Forschungsdaten seiner Forschung soweit es der Datenschutz erlaubt zu teilen und langfristig bereitzustellen.

Forschungsdaten sind zu einer der wichtigsten Ressourcen in der Wissenschaft geworden und erfordern ein besonders hohes Maß an Aufmerksamkeit, um eine gute wissenschaftliche Praxis zu gewährleisten. Daher ist ein nachhaltiges Forschungsdatenmanagement (FDM) die Grundlage für die gegenwärtige und zukünftige Forschung. Aus diesem Grund ist ein Ziel des SFB 1280, sicherzustellen, dass Forschungsdaten gemäß den FAIR-Prinzipien auffindbar, zugänglich, interoperabel und wiederverwendbar sind.

Aufgrund der starken interdisziplinären Struktur des SFB 1280 wird in den einzelnen Teilprojekten durch eine Vielzahl unterschiedlicher Messtechniken eine große Menge heterogener Forschungsdaten erzeugt: Magnetresonanztomographie, Elektroenzephalographie, Messungen der Hautleitfähigkeit, Einzelzell-Aufnahmen, Eyetracking und Pupillometrie, medizinische Daten wie Histologie und Hormondaten bis hin zu Fragebögen für psychologische Studien. Neben der Vielfalt der Daten erzeugen insbesondere Einzelzellaufzeichnungs- und Magnetresonanztomographieverfahren eine große Datenmenge und stellen damit hohe Anforderungen an eine effiziente Speicherinfrastruktur.

Seit Beginn der ersten Förderperiode wurden zwei Fokusgruppen (F01, F02) in den SFB 1280 eingebettet. In diesen wissenschaftlichen Projekten werden Forschungsdaten aus allen anderen Teilprojekten gesammelt, verarbeitet und ausgewertet. Um die Datenverarbeitung in allen Unterprojekten gemäß den FAIR-Prinzipien zu fördern, erstellten alle Unterprojekte einen Datenverwaltungsplan mittels einer Online-Umfrage, die aus 64 Fragen besteht und alle Aspekte des Datenlebenszyklus abdeckt. Darüber hinaus wurden Sensibilisierungsmaßnahmen für die Verbreitung von nachhaltigem FDM durchgeführt und regelmäßig Lab-Data-Cleaning-Days abgehalten, um Forscher für die Verwaltung ihrer Forschungsdaten zu sensibilisieren.

Als zentrale Maßnahme zur Förderung von nachhaltigem FDM einigte sich der SFB 1280 auf ein zentrales Metadatenschema und entwickelte ein solches Metadatenschema nach globalen Standards wie Dublin Core und DataCite. Als zentrale Speicherplattform für den SFB wurde der zentrale File-Sharing-Service der RUB gewählt, für den ein feingranulares Rechte- und Rollenkonzept implementiert wurde, das eine individuelle Kontrolle über Benutzer und Daten ermöglicht.

Experimente mit bildgebenden Verfahren speichern ihre Daten im BIDS-Format, um eine einfache Analyse der Daten auch über Teilprojekte hinweg zu gewährleisten. Die übrigen Unterprojekte speichern ihre Forschungsdaten in einer vordefinierten Ordnerstruktur, die die einzelnen Projekte und die innerhalb eines Projekts gesammelten Daten klar voneinander trennt. Die Metadaten werden in einem maschinen- und menschenlesbaren Dateiformat gespeichert und in einer projektspezifischen oder noch granulareren Ebene hinzugefügt. Das allgemeine Metadatenschema des SFB 1280 integriert die spezifischen Forschungskontexte aller Untergruppen des SFB und ermöglicht darüber hinaus eine feiner strukturierte, individuelle Erweiterung. Weiterhin teilt das Metadatenschema des SFB 1280 grundlegende Muster der OCFL-Spezifikation, so dass letztere in Zukunft möglicherweise übernommen werden kann. 

Auf der Grundlage des beschriebenen Metadatenschemas wurde eine Anwendung (MetaApp) entwickelt und im Rahmen des SFB 1280 eingeführt, um die aktuellen Bedürfnisse der Forscher zu unterstützen und die einfache Aufnahme von obligatorischen und optionalen Metadaten zu erleichtern. Die Anwendung bildet die Metadateneinträge zwischen verschiedenen Standards ab, d.h. dem gemeinsamen Metadatenstandard des SFB 1280, DublinCore und DataCite. Der gesamte Arbeitsaufwand für Wissenschaftler wird durch die Anwendung weiter reduziert, da die Anwendung klare und genaue Metadateneinträge mit Prüfungen und kontrollierten Vokabularien gewährleistet.

 

Alle FDM Aktivitäten des SFB 1280 werden in enger Zusammenarbeit mit der zentralen Arbeitsgruppe Forschungsdatenmanagement der RUB >> durchgeführt und sind mit nationalen FDM-Gemeinschaften auf dem Gebiet der Neurowissenschaften vernetzt. Der SFB 1280 ist ein aktiver Teilnehmer am NFDI-Neuro-Konsortium >> der vom Rat für Informationsinfrastrukturen vorgeschlagenen National Research Data Infrastructure (NFDI).

Anwendungsbezug​

Der SFB 1280 erforscht Grundlagen des Lernens und Vergessens. Die meisten der Arbeitsgruppen untersuchen mit ihren Studien Abläufe auf grundlegender Basis, von der ungewiss ist, ob und wann diese Arbeit vielleicht einmal der Medizin zu einem Durchbruch verhilft. Der SFB 1280 denkt diese Zukunft bei seinem Handeln immer mit, allerdings entwickelt sich die Wissenschaft zu unvorhersehbar, als das ein konkretes Versprechen über den gesellschaftlichen Nutzen möglich wäre.  Die Motivation der Grundlagenforschung bleibt in erster Linie ein Forscherdrang nach Erkenntnis.

Jede Studie des SFB 1280 durchdringt ein sehr kleinteiliges Rätsel des Extinktionslernens. Bei dem Versuch das große ganze zu lösen, stehen konkrete medizinische Anwendungen im Raum:

Bereiche, in denen die Erkenntnisse über Extinktionslernen angewendet werden können​

Angstpatienten

Angsterkrankungen sind das häufigste psychische Leiden der Europäer. Nach letzten Einschätzungen gibt es 61,5 Millionen an Ängsten erkrankte Menschen, bezogen auf eine Population von 514 Millionen (Wittchen et al, 2011). Ihr Leiden wird jedes Jahr mit Medikamenten im Wert von 74,4 Billionen Euro behandelt (Gustavsson et al., 2011).

Schmerzpatienten

Zwei von zehn Menschen empfinden ununterbrochen körperliche Schmerzen. Das Spektrum der chronischen Leiden ist groß, der Untere Rückenschmerz gehört zu den verbreitetsten Volkskrankheiten (Breivik et al, 2006). Durchschnittlich muss ein Schmerzpatient 15,6 Tage im Jahr der Arbeit fern bleiben, weil er körperlich nicht dazu in der Lage ist.

Wenn Nicht-Vergessen-können quält –

Hilfe durch psychologische Beratung

Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bewirkt, dass die Patienten die Erinnerung nicht mehr kontrollieren können, sie kontrolliert den Patienten. Die Betroffenen durchleben immer wieder die heftig wiederkehrenden Erinnerungen an das traumatische Erlebnis. Auch wenn dieser Vorgang neurologisch noch nicht vollständig begriffen ist, so gibt es oft sehr gute Therapien. Der SFB 1280 kann als in der Grundlagenforschung agierender Verbund an diesem Punkt keinerlei Hilfe geben, allerdings eine Reihe von Kolleginnen und Kollegen, auf die hier verwiesen werden kann.

Die Neuropsychologische Ambulanz Bochum mit ihrem breiten Informationsangebot sowie einer Kartei neuropsychologischer Therapeuten. >>

Das Zentrum für Kinder- & Jugendpsychotherapie, dass an der Ruhr-Universität Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen und Störungen, wie z.B. Ängsten, Essstörungen, Depressionen, Hilfe anbietet.  >>

Außerdem:

Die Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie bietet einen Service zur Therapeutensuche. >>

Die Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie stellt bei Bedarf gerne den oft ohne lange Wartezeiten auskommenden Kontakt zu einer Ausbildungsambulanz her. >>

Die Beratungsstelle für Gewalt- und Unfallopfer informiert umfassend zu Möglichkeiten psychologischer Beratung und seelischer Begleitung. >>

Der Wegweiser Demenz bietet Angehörigen und Betroffenen Rat und Hilfe. >>

Tierversuche

“Tierversuche sind in der biologischen und medizinischen Grundlagenforschung unverzichtbar – damit besteht ein klassisches Dilemma, da der Erkenntnisgewinn zum Wohl des Menschen mit der Belastung von Tieren verbunden ist.” Gerhard Heldmaier, Vorsitzender der Senatskommission für tierexperimentelle Experimente, DFG, 2016

Im SFB 1280 gibt es vier Projekte, die an Tieren für das Verständnis essentielle Wirkzusammenhänge untersuchen. Taube, Ratten und Mäuse sind die Modellorganismen, an denen die Grundlagen des Lernens erkundet werden. Die Vorbedingungen für einen Tierversuch sind hoch: Jede Studie muss sehr detailliert aufgeschlüsselt und tierscharf begründet werden, um durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) genehmigt zu werden. Vor Ort werden die Studien durch die universitären Tierschutzbeauftragte betreut und durch das Veterinäramt streng kontrolliert.

Verbindliches Prinzip für den Einsatz von Tierversuchen sind die „Drei Rs“: Replacement, Reduction, und Refinement. 1959 von britischen Wissenschaftlern als Grundssatz experimenteller Arbeit veröffentlicht verpflichten sie die Anzahl der Tiere und der Versuche auf ein Minimum zu reduzieren (Reduction), ihre Belastung zu jedem Moment möglichst minimal zu halten (Refinement) und wo es nur geht alternative Methoden einzusetzen (Replacement).

Einige interessante wie kritische Betrachtungen des Themas in den Medien finden Sie hier:


Berichte:

Kritisches Feature im Deutschlandfunk “Sind Tierversuche noch notwendig?”  >>

Kritisches Feature bei einer Dokumentation des Y-Kollektiv: “ Tierleid für die Forschung – Brauchen wir noch Tierversuche?“ >>

Infoheft der DFG “Tierversuche in der Forschung”  >>

Themenportal der Wissenschaften “Tierversuche verstehen”  >>

Artikel, warum die Abteilung für Biopsychologie der Ruhr-Universität mit Tauben arbeitet  >>

8 Antworten zur Situtation an der Ruhr-Universität >>

Seiten unserer Tierschutzbeauftragten:

Ruhr-Universität Bochum >>

Universitätsklinik Essen >>